Standort: 74074, Heilbronn
info@movement-coaching.de

Resteffekte von Training

by Riccardo Stadler

Resteffekte von Training

Wieso Sprinten im Leistungssport mehr Aufmerksamkeit benötigt als die aerobe Ausdauer

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, was passieren würde, wenn wir ab heute mit dem Training pausieren. Wie lange würde es dauern, bis unsere unterschiedlichen konditionellen Fähigkeiten abbauen?

Klassifikation, Dauer und praktische Komponenten der Resteffekte von Training Issurin & Lustig, 2004)

Take-Aways:

  • Aerobe Trainingseinheiten verursachen mehr lokale Adaptionen als Sprinttraining.
  • Physiologischer und emotionaler Stress erhöhen die katabolischen Prozesse.
  • Keep Sprinting!

Theoretischer Hintergrund

Im Schema der Trainingseffekte (Zaciorsky, 1995) ist der Resteffekt jener Effekt, der die verbleibenden Veränderungen (Spuren) durch ein systematisches Training über eine gewisse Zeitspanne nach dem Abschluss des Trainings bezeichnet. Der Resteffekt des Trainings (RET) bezieht sich speziell auf die Spuren („Reste“), die durch ein langfristiges Training auf Adaptionsbasis entstehen. 

Wir wissen gut, dass morphologische und organische Veränderungen im Skelett und im Herzen eine lange Zeit nach Karriereende der Sportler erhalten bleiben können. Diese „Reste“ wirken sich auf Trainierbarkeit, Gesundheitszustand und Wohlbefinden der Sportler aus. 

Der folgende Beitrag befasst sich mit den Resteffekten des Trainings, die von einer langfristigen Trainingsbelastung stammen und so insbesondere für den Leistungssport wichtig sind. 

Langfristige und kurzfristige Resteffekte des Trainings

Die langfristigen Resteffekte des Trainings resultieren aus dem Standpunkt einer allgemeinen Adaption und der Differenzierung von Sportarten. Unterschiede zwischen den Sportarten wie Laufen, Schwimmen oder Fußball sind bei den jeweiligen Sportlern offensichtlich und bedingt durch eine langfristige Adaption, also durch langfristige RET. Mittelfristige RET bleiben über einige Monate erhalten und äußern sich in Veränderungen des Herz-Kreislaufs-Systems oder der neuromuskulären Koordination. Beide Effekte bilden den Hintergrund des Zustands und der Reaktion des Sportlers. 

Kurzfristige RET werden direkt durch ein ausgeführtes Trainingsprogramm hervorgerufen und bestimmen den aktuellen Trainingszustand des Sportlers. 

Resteffekte sind eng verknüpft mit dem Prozess von Detraining, also dem Verlust von „Trainiertsein“. Im Leistungssport kann es zu einem selektiven Detraining für eine gewisse Fähigkeit kommen, wenn sie nicht genügend Trainingsreize erhält. Deshalb sollte die Dauer von kurzfristigen RET genau beobachtet werden, um unterschiedliche Trainingszyklen darauf abstimmen zu können. 

Besonderheiten und Dauer der kurzfristigen Resteffekte des Trainings

Bekanntermaßen bauen wir verschiedene konditionelle Fähigkeiten unterschiedlich schnell ab, einige physiologische Systeme behalten ihr gesteigertes Adaptionsniveau länger als andere. Dafür verantwortlich sind hauptsächlich die Rate der physiologischen Veränderungen durch Training, die Menge der Enzyme für die Regulierung von biochemischen Reaktionen und die Verfügbarkeit von Energiereserven (Glykogen, Kreatinphosphat, etc.). 

Aerobe Trainingseinheiten verursachen mehr lokale Adaptionen als Sprinttraining

Eine Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit bedeutet eine Zunahme der Kapillardichte, der Glykogenreserven und der Menge von aeroben Enzymen, um ungefähr 40 – 90%. Lokale Adaptionen von Sportlern nach einem Sprinttraining sind viel geringer. Die Zunahme von Kreatinphosphat, die maximale Laktatakkumulation und die Zunahme von anaeroben Enzymen verbessern sich nicht mehr als 20%. So bleiben die anaeroben Fähigkeiten (Sprinten) viel kürzer auf dem (fast) maximalen Niveau als die aerobe Leistungsfähigkeit, die über einige Wochen auf einem fast maximalen Niveau erhalten bleiben kann (siehe Abbildung). 

Abb.: Dauer und physiologischer Hintergrund der Resteffekte des Trainings für verschiedene konditionelle Fähigkeiten (modifiziert nach Issurin & Lustig, 2003)

Ein intensives Sprinttraining verursacht (relativ) kleine Veränderungen in den schnellen Energiereserven ATP und KP und anaeroben Enzymen. Ebenso benötigen wir für unsere maximale Sprintfähigkeit qualitativ hohe neuromuskuläre Interaktionen, welche allerdings nicht sehr stabil sind und schnell wieder abbauen. Dies erklärt, warum wir die maximale Schnelligkeit nicht lange (~5 Tage) durch die RET auf Maximalniveau halten können. 

Movement-Coaching-Fazit

  • Keep Sprinting!
  • Ältere Leistungssportler haben eine längere Übergangsperiode, als ihre jüngeren Konkurrenten (verursacht durch das höhere Niveau der mittel- und langfristigen RET)
  • Physiologischer und emotionaler Stress erhöht die katabolischen Prozesse: Abbau der Muskelmasse und Verkürzung der RET von Maximal- und Explosivkraft.

Literaturverzeichnis

Issurin V, Lustig G. Klassifikation, Dauer und praktische Komponenten der Resteffekte von Training. Leistungsport 2004;34:3:55-9.

Zatsiorsky, V. M. (1995). Science and practice of strength training (p. 243). Champaign (IL.): Human Kinetics. 

Tags: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.