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Kognitive Effekte von Gleichgewichtstraining

by Riccardo Stadler

Kognitive Effekte von Gleichgewichtstraining

Gleichgewichtstraining kann neben einer verbesserten Balance auch unser Gedächtnis und die räumliche Kognition positiv beeinflussen. 

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob ein anspruchsvolles Gleichgewichtstraining das Gedächtnis und die räumliche Kognition verbessern kann. 

Balance training improves memory and spatial cognition in healthy adults (Rogge et al., 2017).

Take-Aways:

  • Gleichgewichtstraining (GT) ist in der Lage, Gedächtnis und räumliche Kognition signifikant zu verbessern.
  • Positive Effekte durch körperliches Training auf die Kognition werden nicht nur durch aerobes Training erreicht.
  • Direkte Bahnen zwischen vestibulärem System und spezifischen Hirnregionen können anscheinend durch Gleichgewichtstraining verbessert werden.

Theoretischer Hintergrund 

Mittlerweile wird neben einer Vielzahl von Verhaltensinterventionen wie kognitiven Trainingsprogrammen und speziellen Ernährungsvariationen auch vermehrt körperliche Trainingsprogramme zur Verbesserung der Kognition vorgeschlagen. Die Wissenschaft hat bereits gut begründet, dass körperliche Trainingsprogramme über einen Zeitraum von mehreren Monaten nachweislich die kognitive Leistung, einschließlich der exekutiven Funktionen, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und des Gedächtnisses verbessern kann. Zusätzlich weiß man bereits, dass Training den Volumenverlust der grauen Substanz im Hippocampus und den Frontallappen verlangsamt. Jedoch haben sich bislang die meisten Studien zu dieser Thematik mit aerobem Training wie Laufen, Gehen oder Radfahren konzentriert. 

Deshalb war das Ziel dieser Studie zu testen, ob ein körperliches Trainingsprogramm mit hohen Anforderungen an das vestibuläre System, also ein anspruchsvolles Gleichgewichtstraining (GT), insbesondere das Gedächtnis und die räumliche Kognition verbessern kann. 

Untersuchungsablauf & Stichprobe

Zur Überprüfung der Hypothese wurde ein anspruchsvolles Gleichgewichtstrainingsprogramm bei gesunden Erwachsenen durchgeführt (n=19). Die Kontrollgruppe (n=21) absolvierte zeitgleich ein Entspannungstrainingsprogramm (Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training). Die Probanden beider Gruppen waren gesunde Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren mit wenig sportlicher Betätigung und wurden per Zufall den Gruppen zugewiesen. 

Die Probanden trainierten 12 Wochen lang zweimal pro Woche mit einer durchschnittlichen Dauer von 50 Minuten. Kardiorespiratorische Fitness, Balance, Gedächtnis, räumliche Kognition und exekutive Funktionen wurden vor und nach dem Trainingsprogramm untersucht. 

Ergebnisse

Im Pretest zeigten beide Gruppen keine signifikanten Unterschiede in physischen und kognitiven Variablen. Nur die Gleichgewichtsgruppe steigerte ihre Gleichgewichtsleistung vom Prä- zum Posttest signifikant (p = 0.005), während die kardiorespiratorische Fitness in beiden Gruppen unverändert blieb. Darüber hinaus verbesserte sich die Gleichgewichtsgruppe signifikant in den Bereichen Gedächtnis (p = 0.043) und räumliche Kognition (p = 0.027). Effekte auf exekutive Funktionen wurden nicht beobachtet. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das GT in der Lage ist, insbesondere das Gedächtnis und die räumliche Kognition zu verbessern.

Wahrscheinlich werden durch die durch das GT hervorgerufene Stimulation des vestibulären Systems Verbesserungen der direkten Bahnen zwischen jenem vestibulären System und spezifischen Hirnregionen erreicht. 

Movement-Coaching-Fazit

Um positive Effekte von körperlichem Training auf die Kognition zu erreichen, scheint also eine Steigerung der kardiorespiratorischen Fitness nicht notwendig zu sein. Gleichgewichtstraining kann super in den Alltag, in Form einer aktiven Pause im Homeoffice, Büro oder beim Lerne, integriert werden. Es verbessert nicht nur unsere Balance, sondern bewirkt auch neuroplastische Veränderungen.   

Literaturverzeichnis

Rogge, A.-K., Röder, B., Zech, A., Nagel, V., Hollander, K., Braumann, K.-M. et al. (2017). Balance training improves memory and spatial cognition in healthy adults. Scientific reports, 7 (1), 5661. doi:10.1038/s41598-017-06071-9

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