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Auffälligkeiten und Häufigkeiten von Verletzungen bei männlichen Jugendfußballern

by Riccardo Stadler

Auffälligkeiten und Häufigkeiten von Verletzungen bei männlichen Jugendfußballern

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der deskriptiven Analyse von möglichen Auffälligkeiten und Häufigkeiten von Verletzungen bei männlichen Jugendfußballern. Die vorgestellte Studie hat sich genau mit diesem Thema in Bezug auf altersstrukturelle Unterschiede zwischen den einzelnen Altersklassen im Jugendfußball beschäftigt. 

Auffälligkeiten und Häufigkeiten von Verletzungen bei männlichen Jugendfußballern: Eine explorative Studie (Frisch, Heischel, Pigozzi & Stadler, 2021)

Take-Aways:

  • die Altersklassen im Jugendfußball haben unterschiedliche Häufigkeiten und Auffälligkeiten an Verletzungen.
  • Knapp zweidrittel aller Verletzungen passieren an der unteren Extremität.
  • Die Altersgruppen der 13 und 14-Jährigen sind signifikant häufiger verletzt im Vergleich zu den anderen Altersklassen.
  • zukünftige Screening-Tools sollten sich altersspezifisch unterscheiden und stellen einen vielversprechenden Ansatz zur Verletzungsprävention dar.

Theoretischer Hintergrund

Zweikämpfe und Körpereinsatz gehören zum Fußball. Leider kommt es bei sportlichen Auseinandersetzungen auch zu Verletzungen, die zur Spielunfähigkeit führen. Da jede Verletzung nicht nur die betreffende Mannschaft schwächt, sondern auch das Entwicklungspotenzial eines jeden Jugendspielers hemmt, liegt ein besonderer Fokus auf der sportartspezifischen Verletzungsprophylaxe (Anrich, 2002). Während in englischsprachigen internationalen Journals mittlerweile eine Vielzahl an Studien zu Verletzungen im Fußball existiert, ist die bisherige wissenschaftliche Datenlage in Deutschland sehr limitiert. Zudem beschränkte sich die bisherige Forschung im deutschen Fußballsport vornehmlich auf Verletzungen bei erwachsenen Fußballspielern (Schneider, 2013). Wir gehen davon aus, dass die Charakteristika bei Verletzungen jugendlicher Fußballspieler nicht nur sportartspezifisch, sondern auch alters- und positionsspezifisch sein können. Daher stellen wir die Hypothese auf, dass sich die Altersklassen im Jugendfußball bezüglich der Verletzungsanfälligkeit unterscheiden und es weitere Faktoren gibt, welche das Auftreten von Verletzungen beeinflussen (Stadler et al., 2021).

Methodik

An der Studie nahmen 85 männliche Jugendfußballer im Alter von 14–19 Jahren aus 2 leistungsorientierten Vereinen teil. Dabei handelt es sich um eine retrospektive Querschnittsstudie mittels web-basierten Fragebogens. Die Datengewinnung erfolgte von 04.12.-21.12.2020. Grundlage für den Fragebogen bildeten die Verletzungsdefinitionen basierend auf den Konsensusempfehlungen von Fuller et al. (2006).

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie stimmten mit unserer Hypothese überein, dass die Altersklassen (AK) im Jugendfußball unterschiedliche Häufigkeiten und Auffälligkeiten an Verletzungen haben. Insgesamt hatten 56 von 85 Jugendfußballspielern eine Fußball-verletzung (66%). Die Gesamtzahl der Verletzungen lag bei 82. 

Die häufigste Lokalisation war die untere Extremität mit 65%. Die häufigsten Körperregionen waren Knieverletzungen (20%), Hüftverletzungen (16%) und Knöchelverletzungen (13%).  Muskelzerrungen und -risse (32 %), Frakturen (30 %) und Bänderverletzungen (16 %) waren die häufigsten Verletzungsarten. 

Anteil (%) der häufigsten Verletzungen in Abhängigkeit von der Körperregion bei männlichen Jugendfußballern im Alter von 14-19 Jahren.  

Die Altersgruppen 13/14 waren signifikant häufiger verletzt als die Altersgruppen 11/12 (X² (1,82) =9.12, p=.003), 15/16 (X² (1,82) =4.54, p=.033) und 17/18 (X² (1,82) =23.00, p< .001). Die Altersgruppen 17/18 wiesen mit 10% die wenigsten Verletzungen auf. 

Häufigkeitsverteilung im Alter: Unterschiede der Verletzungshäufigkeiten zum Zeitpunkt der Verletzung 
  • Die häufigste Verletzung war Muskelzerrung/-riss in der Hüfte/ Leiste, gefolgt von Bruch im Handbereichund einer Bandver-letzung am Sprunggelenk.
  • Verletzungen passieren nahezu gleich häufig im Spiel (48%) wie im Training (45%), obwohl die Trainingszeit/Woche im Durch-schnitt 2,7-fach höher ist. 

Movement-Coaching-Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Ergebnisse unter Berücksichtigung der relativ geringen Teilnehmerzahl und anderer Einschränkungen darauf hindeuten, dass zukünftige Screening-Tools für männliche Jugendfußballspieler sich spezifisch unterscheiden sollten und eine vielversprechende Maßnahme zur Verletzungsprävention sein könnten. Zukünftige Forschung könnte daran mit größeren Kohorten sowie spezifischeren Untersuchungen anknüpfen. 

Literaturverzeichnis

Anrich, C. (2002). Fussball: Leistung steigern, Verletzungen vermeiden. Hamburg: Rowohlt. 

Fuller, C. W., Ekstrand, J., Junge, A., Andersen, T. E., Bahr, R., Dvorak, J., … & Meeuwisse, W. H. (2006). Consensus statement on injury definitions and data collection procedures in studies of football (soccer) injuries. Scandinavian journal of medicine & science in sports16(2), 83-92.

Schneider, A. S., Mayer, H. M., Geißler, U., Rumpf, M. C., & Schneider, C. (2013). Verletzungen bei männlichen und weiblichen Jugendfußballern. Sportverletzung Sportschaden27(01), 34-38.

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